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Zwei Kasseler entwickeln Freisprecheinrichtung fürs Fahrrad
 

Zwei Kasseler haben eine Handy-Freisprecheinrichtung fürs Fahrrad entwickelt, die ohne Elektronik und damit auch ohne Kabel und zusätzliche Energie auskommt.

Die beiden Kasseler Brüder und Tüftler, Khesrau und Sohrab Noorzaie haben sie vor dreieinhalb Jahren umgesetzt. Herausgekommen ist eine unscheinbare, aber sehr robuste Kunststoffschale namens „Cesacruise“, die mittels eines einfachen Klickfix-Systems binnen Minuten an jeden Fahrradlenker moniert werden kann.

 

Die universelle Schale, die aufgrund ihrer cleveren Konstruktion jedes Smartphone aufnimmt und auch bei starken Erschütterungen absolut sicher hält, verstärkt die Stimme des Gesprächspartners und des Navigationssystems oder Musik allein durch ihre spezielle Formgebung. Gleichzeitig absorbiert sie lästige Windgeräusche.

 

Und damit der Nutzer beim Radfahren nicht die Hände vom Lenker nehmen oder gar anhalten muss, gibt es seit August die sprachgesteuerte App „Cruiseup“, die auf Zuruf zwischen den unterschiedlichen Funktionen – Telefon, Navigation, Musik – hin- und herschaltet.

 

Dabei dient die App auch als Geschwindigkeitsmesser, Tachometer, Kilometerzähler, Uhr und Entfernungsanzeige. Die Halterung passt natürlich auch an Rollstühle und Kinderwagen und kann mit einem Handgriff abgelöst und mit nach Haus oder ins Auto genommen werden. „Cesacruise ist die weltweit einzige analoge Freisprecheinrichtung“, sagt Khesrau Noorzaie. Der 36-Jährige, der an Uni in Kassel Maschinenbau studiert hat, und sein zwei Jahre jüngerer Bruder Sohrab, ein angehender Wirtschaftsingenieur, entwickeln, montieren und vertreiben ihre Produkte vom Science Park aus. Dort nämlich sitzt ihre kleine Firma Sminno. Der Name ist abgeleitet vom englischen Begriff smart innovation, was intelligente Neuheit bedeutet.

 

Auszeichnungen

Im Oktober 2016 wurden die beiden Brüder für ihre Erfindung mit dem Hessenchampion des Wirtschaftsministeriums sowie der Vereinigung der Unternehmerverbände in der Kategorie „Innovation“ ausgezeichnet, worauf sie sehr stolz sind. „Den Preis haben wir unseren Eltern gewidmet, die uns stets zum Studieren angehalten haben“, sagt Sohrab.

 

Die robuste Schale selbst lassen die beiden Jungunternehmer bei einem spezialisierten Spitzgusshersteller im westfälischen Herford produzieren. In Kassel werden die nahezu unkaputtbaren Schalen endmontiert, verpackt und versandt: an Privatkunden, Fahrradshops, -hersteller und -verleiher, an Online-und Großhändler. Dabei legen die beiden Brüder großen Wert auf eine Produktion im Inland und Nachhaltigkeit. „Wir wollen hier Jobs schaffen mit einem recycelbaren Produkt, das viele Jahre verwendbar ist und nicht mit jedem neuen Smartphone ausgetauscht werden muss“, betont Khesrau Noorzaie.

 

Zurzeit beschäftigt Sminno einschließlich der beiden Geschäftsführer zehn Mitarbeiter. in diesem Jahr sollen zwei weitere hinzukommen. Das kleine Unternehmen setzt nach Angaben der Brüder einen hohen fünfstelligen Betrag im Jahr um. Konkrete Zahlen wollen die Noorzaies aber nicht nennen.

 

„Cesacruise“ und „Cruise-up“ werden auch im Ausland gut angenommen. Die Sminno-Produkte gehen in die Niederlande, nach Belgien, Spanien und Großbritannien und andere Staaten. Frankreich und Dänemark sind in Planung.

 

"Wir sind Kasseler Jungs"

Khesrau und Sohrab Noorzaie sind 1992 mit ihren Eltern aus Afghanistan über Umwege nach Kassel gekommen und hiergeblieben. Khesrau hat sein Abi an der Max-Eyth-, Sohrab an der Friedrich-List-Schule absolviert. „Wir sind Kasseler Jungs“, unterstreichen die beiden ihre Verbundenheit zu Stadt und Region. Auf die Idee mit der Fahrradhalterung kamen sie, weil der jüngeren Schwester beim Radfahren das teure Smartphone aus der Hand fiel und zu Bruch ging. Übrigens: Das Telefonieren beim Radeln ist genauso verboten wie beim Autofahren, und Ohrstöpsel sind ebenso tabu. Vor der Smartphone-Halterung entwickelten die beiden einen kleinen Gummitrichter für Handys. Auch der „Cesatube“ verstärkt Sprache und Musik allein durch seine Form, also ebenfalls ohne zusätzlichen Energieverbrauch. Der „Cesatube“ stand Pate für das Firmenlogo, das einen Elefanten mit trichterförmigem Rüssel zeigt.

 

HNA,04.01.2018, von José Pinto