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Über 50 000 Container pro Jahr
 

Das Güterverkehrszentrum hat seine Kapazitätsgrenze erreicht – Schon werden Erweiterungspläne geschmiedet

Kaum 13 Jahre nach Inbetriebnahme des Güterverkehrszentrums (GVZ) im Industriepark Kassel ist der Umschlagbahnhof ausgelastet. Aktuell werden dort über 50 000 Container pro Jahr vom Lastwagen auf die Schiene verladen – rund 5000 mehr als noch vor zwei Jahren.


„Und wir müssen mit weiterem Wachstum rechnen“, sagt Kai Lorenz Wittrock, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Raum Kassel. Der Grund: Noch immer gibt es im Industriepark Kassel unbebaute Flächen, vor allem im neuen Kasseler Gewerbepark Langes Feld. „Die Ansiedlung weiterer Firmen wird automatisch den Warenstrom verstärken, sodass für das GVZ weitere Kapazitäten geschaffen werden müssen“, sagt Wittrock.


Bereits in der Abstimmung befindet sich ein zusätzlicher Parkplatz für Lkw an der Lise-Meitner-Straße, wo bereits regelmäßig an- und abfahrende Lkw Schlange stehen und den Verkehr der anliegenden Gewerbebetriebe behindern. Geplant ist, auf etwa 3500 Quadratmetern elf weitere Stellplätze für Lastwagen vor dem Terminal zu bauen. Aktuell gibt es dort nur zwei. „Damit ließe sich der laufende Betrieb noch einmal ein Stück verbessern“, sagt Wittrock



Fischgrätensystem


Das Problem dabei: Weil hierbei verschiedene Akteure in die Planung und Finanzierung einbezogen werden müssen, wird es erst Mitte des Jahres konkrete Details zur Realisierung geben. Angedacht seien Parkplätze in Form eines Fischgrätensystems. Dabei fahren die Lkw vorne ein, parken schräg nebeneinander und können – je nachdem welcher Container als Nächstes benötigt wird – nach hinten zum Umladekran ausfahren. Die Kosten für die Stellplätze werden mit einem „sechsstelligen Betrag veranschlagt“, sagt Wittrock.



Zweitkran bislang nur Idee


Wesentlich teuerer – etwa 3 bis 6 Mio. Euro – wäre dagegen ein zweiter Portalkran. „Hier ist allerdings überhaupt noch nichts geplant“, sagt Wittrock. Zunächst müsse geprüft werden, welche Flächen für den Bau einer zweiten Kranbahn überhaupt in Frage kämen. Denn Platz rund um das schon bestehende Container-Terminal direkt an der Lise-Meitner-Straße gebe es kaum noch. Abgesehen davon seien die Investitionen für eine zweite Verladestraße mitsamt Kran so hoch, „dass die Kosten auch in einem vernünftigen Verhältnis zu den noch zu erwartenden Umschlagzuwächsen stehen müssen“.


Aktuell verlassen etwa 13 Containerzüge pro Woche den GVZ-Verladebahnhof. „Fünf davon fahren über den Brennertunnel zum größtem Verladehafen in Europa nach Verona, acht fahren zu den Überseehäfen Hamburger und Bremer Hafen“. Verladen werden im Güterverkehrszentrum VW-Originalteile, Natursteine, Papierprodukte und Fahrzeug- Gussteile aus der Region. „Tatsächlich ist das GVZ sehr exportorientiert und international aufgestellt“, sagt Wittrock. Über 50 Prozent der im GVZ umgeschlagenen Waren gehen inzwischen ins Ausland, Mitte der 1990er-Jahre waren es weniger als 20 Prozent.

Hintergrund


GVZ logistisches Zentrum im Industriepark Kassel


Das Güterverkehrszentrum Kassel (GVZ) ist einer von fünf Bereichen des Industrieparks Kassel. Dazu zählen auch der Industriepark Kassel-Waldau, das Gewerbegebiet Lohfelden mit dem neuen interkommunalen Gewerbegebiet Lohfeldener Rüssel, das Gewerbegebiet Fuldabrück-Bergshausen an der L 3460 sowie der neue Gewerbepark Kassel-Niederzwehren (Langes Feld). Mit seinen 550 Hektar Gesamtfläche ist der Industriepark Kassel das größte zusammenhängende Areal für Industrie und Gewerbe in ganz Nordhessen. 500 Firmen beschäftigen dort über 10 000 Mitarbeiter.
Eigentümerin des GVZ ist zu 50 Prozent die Wirtschaftsförderung Region Kassel sowie zu je 25 Prozent die Kommunen Lohfelden und Fuldabrück (GVZ-Projektgesellschaft). 2003 wurde der Container-Verladebahnhof fertiggestellt – damals noch mitten auf der grünen Wiese. 2004 ging die Anlage in Betrieb, 2011 kam es zur Verlängerung der Kranbahn auf 520 Meter. Auf vier Gleisen werden derzeit Containerzüge beladen. 2014 kam ein Service-Areal hinzu, der vor allem leere Container bei Engpässen vorhält.


Von Boris Naumann, HNA, 24.04.2017