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Kasseler Firma Hydroneo liefert moderne Technik für die Garnelenzucht
 

Gewinner im Promotion-Wettbewerb

Klingt kurios, ist bei genauerer Betrachtung aber hochinteressant: Die Kasseler Firma Hydroneo ist dabei, die Garnelenzucht zu optimieren.

 

Die jungen Kasseler Dr. Werapol Bejranonda, Fabian Reusch, Tim Wolters und Dario Klapp haben ein Management-System namens Hydroneo für Aquakulturen entwickelt, das den Energieverbrauch bei der Garnelenzucht um die Hälfte reduziert. Energie ist nach dem Futter der zweitgrößte Kostenblock von Garnelenfarmern in Südostasien sowie Mittel- und Südamerika.

 

Das Team hat unlängst den ersten sowie zusätzlich den Umweltpreis im Gründerwettbewerb Promotion Nordhessen unter dem Dach des Regionalmanagements abgeräumt und 12.000 Euro kassiert. Mit dem Geld wollen die Kasseler Tüftler ihr System weiter verbessern und optimieren.

 

Die Geschäftsidee hatte Bejranonda. Der promovierte Ingenieur im Bereich der Hydrologie, der 2009 nach Kassel kam und bis 2016 wissenschaftlicher Mitarbeiter des Fachbereichs Bau- und Umweltingenieurwesen war, hatte den Einfall während eines Aufenthalts in seiner thailändischen Heimat, dem weltweit größten Garnelenproduzenten.

 

Dort laufen zumeist elektrisch betriebene Schaufelräder nahezu rund um die Uhr, um die Salzwasserbecken zu belüften – auch wenn es gar nicht notwendig ist, weil die Garnelenfarmer sie sozusagen nach Gefühl an- und abstellen. Hydroneo setzt der Energieverschwendung ein Ende und belüftet nur, wenn die Wasserqualität es verlangt. 

 

Dazu messen Sensoren unterschiedliche Parameter, mit denen selbstentwickelte Steuereinheiten die Wasserqualität berechnen. Die geben die Daten über eine Cloud an das Smartphone des Farmers weiter. Der schaltet die Belüftung nach Bedarf ein und aus.

 

Drei Farmen umgerüstet

Das Verfahren kann komplett automatisiert werden, wenn der Nutzer genügend Vertrauen in das System entwickelt hat. Der Sauerstoffbedarf hängt von der Temperatur, Sonneneinstrahlung und Besatzdichte ab. Weil im Schnitt jede vierte Garnele infolge schlechter Wasserqualität vorzeitig stirbt, birgt das Hydroneo-System weiteres finanzielles Potential für den Farmer. 

 

Sie kaufen die Larven und ziehen die Krebstiere binnen drei bis vier Monaten groß. Drei Farmen hat Hydroneo bereits umgerüstet, vier weitere sollen jetzt folgen. Auch die Resonanz aus den USA sowie Süd- und Mittelamerika ist laut Reusch riesig. Und ein Dax-Konzern habe bereits Interesse an einer Kooperation angemeldet. „Wir sind sehr zuversichtlich, dass unser Geschäftsmodell funktioniert“, sagt Reusch.

 

Bislang macht das Hydroneo-Team – Wolters promoviert zum Jahresende im Bau- und Umweltingenieurwesen, Reusch ist als Betriebswirtschafter mit Master fürs Geld zuständig, und Informatik-Student Klapp liefert die Software – fast alles selbst. Sie bauen die mit Sensoren gespickten Steuereinheiten manufakturartig aus zugekauften Elektronik-Bauteilen und entwickeln die Software. 

 

Das Managementsystem soll schon bald um weitere Funktionen erweitert werden: beispielsweise um die Optimierung der Futtermittelmenge Sobald es größere Serien gibt, müssen sich die Gründer einen industriellen Partner für die Produktion suchen.

 

HNA, 10.04.2018, von José Pinto