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Gewerbegebiet Langes Feld boomt: Auch Großhändler Jordan zieht um
 

In Süsterfeld soll dafür Wohnraum entstehen

Die Flächen im Gewerbegebiet "Langes Feld" in Niederzwehren gehen weg wie warme Semmeln. Deshalb hat die Stadt Kassel mit der Erschließung des zweiten Abschnitts begonnen – zwei Jahre eher als bislang vorgesehen, wie ein Sprecher der Stadt auf HNA-Anfrage bestätigte.

 

Nach Informationen der HNA plant der Kasseler Großhändler Jordan die Umsiedlung seiner Lager für Fußbodenbeläge und Heimtextilien zwischen Eugen-Richter-Straße, Am Rennsteig und Brückenweg ins neue Gewerbegebiet. Gründe sind die beengten Verhältnisse mitten in der Wohnbebauung in Süsterfeld sowie der wachsende Platzbedarf infolge des starken Wachstums des Kasseler Familienunternehmens. Auf den frei werdenden Flächen soll nach dem Willen von Stadt und Eigentümer Wohnraum entstehen. Die Firmenzentrale an der Horst-Dieter-Jordan-Staße sowie das Holzgeschäft am Niederzwehrener Bahnhof und An der Kurhessenhalle bleiben, wo sie sind.

 

Unternehmenschef Jörg Ludwig Jordan war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Dem Vernehmen nach erwirbt er 50.000 m2 und investiert einen Betrag im unteren zweistelligen Millionenbereich. Der Umzug ins neue Gewerbegebiet direkt an der A49 ist die zweite große Ansiedlung im "Langen Feld". Wie berichtet, lässt der Kasseler Fensterprofilhersteller Technoform im ersten Bauabschnitt für 20 Millionen Euro ein neues Werk errichten. Die Arbeiten sind weit fortgeschritten. Außerdem siedeln dort bereits drei Handwerksbetriebe, weitere Unternehmen wie der Sanitär- und Haustechnik-Großhändler Linss Malsfeld, ein Direktvertrieb und ein Hotel planen hohe Investitionen.

 

Das Gewerbegebiet, das lange umstritten war, wird in der Endausbaustufe 76 Hektar umfassen, was der Größe von fast 100 Fußballfeldern entspricht. Der erste, bereits erschlossene Abschnitt misst 26, der zweite 28 und der dritte 22 Hektar.

 

Jordan ist Europas Nummer eins

 

Europas Nummer eins unter den Bodenbelagsgroßhändlern, die Kasseler W.&L. Jordan GmbH, wächst seit Jahren: aus eigener Kraft und durch Zukäufe. Mittlerweile zählt das Familienunternehmen, das im kommenden Jahr 100-jähriges Bestehen feiert und in dritter Generation von Jörg Ludwig Jordan geführt wird, 66 Niederlassungen im Inland, in Österreich und der Schweiz, Norditalien und Polen. Von der starken Expansion – in den vergangenen zehn Jahren hat sich der Umsatz auf zuletzt 393 Millionen Euro mehr als verdoppelt – profitierte auch Kassel. Zunächst kaufte das Unternehmen benachbarte Flächen rund um den Firmensitz zu, später Hallen am Glockenbruchweg und schließlich die Gebäude der Kurhessischen Getränke entlang der Eugen-Richter-Straße, dann wieder in der Peripherie des Unternehmensitzes rund um die Horst-Dieter-Jordan-Straße.

 

Doch nun sind all diese Flächen ausgereizt. Um weiteres geplantes Wachstum zu stemmen, müssen größere her. Und auch modernere, die einen optimalen Arbeitsfluss ermöglichen. Da bietet sich das neue Gewerbegebiet "Langes Feld" in unmittelbarer Nähe, direkt an der A49 geradezu an, das zusätzlich mit einer hervorragenden Verkehrsanbindung punktet.

 

Profiteure der Umsiedlung sind nicht nur Jordan selbst und die Stadt Kassel, der sich in dem Quartier im Ortsteil Süsterfeld-Helleböhn zwischen Bahntrasse, Eugen-Richter-Straße und Brückenweg eine völlig neue städtebauliche Perspektive eröffnet. Auch die Anwohner dürften sich über die Entwicklung freuen. Denn nach dem Umzug entfallen täglich Dutzende von Transporten, die trotz aller Rücksicht teilweise durch die Wohnstraßen gehen.

 

Hintergrund

 

Jordan hat sich nach der Grenzöffnung von einem regionalen zu einem nationalen Anbieter von Fußbodenbelägen aller Art entwickelt und ist bundesweit die unangefochtene Nummer eins. Außerdem handelt der Betrieb mit Bauholz und Wohntextilien. Gruppenweit beschäftigt Jordan 1350 Mitarbeiter, davon 230 in Kassel. Hauptkundschaft sind Handwerksbetriebe, darunter Tischler, Maler, Parkettleger und Raumausstatter. 

 

Jordan investiert jährlich Millionen in seine Standorte, allein im vergangenen und in diesem Jahr 20 Mio. Euro in neue Niederlassungen in Ravensburg, Würzburg und Saabrücken sowie in die Erweiterung des Standorts Bietigheim. Die neue Niederlassung in Saarbrücken wurde gestern eröffnet. Am Unternehmenssitz entstand unlängst eine neue Halle, in einer bestehenden wird derzeit ein neues Plattenverarbeitungszentrum eingebaut. Kostenpunkt für beide Projekte: 2,5 Mio. Euro.

 

HNA, 09.06.2018, von José Pinto