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Deutscher Computerspielpreis für Jumpsuit Entertainment
 

Das sind die Kasseler Macher hinter dem besten Computerspiel für Kinder

Für die Kasseler Firma Jumpsuit Entertainment ist der Deutsche Computerspielpreis ein Meilenstein. Aber warum ist ihr Spiel „She Remembered Caterpillars“ eigentlich so toll?

Mit der Trophäe fremdeln Daniel Goffin und David Priemer noch. Zumindest ist der Siegerpokal nichts, um das Wohnzimmer rein optisch aufzuwerten. Aber das ist ja auch egal. Wichtiger ist das, was mit dem Gewinn dieser etwas unscheinbaren Belohnung verbunden ist: der Deutsche Computerspielpreis für das beste Kinderspiel und das Preisgeld von 75.000 Euro. Damit krönten beide eine Arbeit, die sich über Jahre zog. Das Protokoll von der Idee bis hin zum Erfolg. 

 

Der Anfang

 

David Priemer (24) ist in Kassel geboren, in München aufgewachsen – und zum Informatikstudium wieder nach Kassel gezogen. Schon früh befasst er sich mit Computerspielen, als Student hat er dann eine konkrete Idee für ein Spiel. Die Kurzfassung geht so: Eine Wissenschaftlerin versucht, ihren erkrankten Vater zu retten – ein Spiel, in dem es um Leben und Tod und um den Umgang damit geht, angelegt als eine Art visualisiertes Puzzle.

 

Über Freunde lernt David Priemer Daniel Goffin (36) kennen. Goffin stammt aus Schleswig-Holstein und hat an der Kunsthochschule in Kassel studiert: Comic und Illustration. Er ist einer, der Priemers Idee in Computerbilder umsetzen kann. „Sexy machen würden die Designer dazu sagen“, erzählt Goffin. Mit Priemer gründet er im Sommer 2014 die Firma Jumpsuit-Entertainment.

 

Der Name verrät, wie beide ticken: Für Priemer musste er irgendwie ästhetisch sein, und weil Goffin ein Mensch ist, der die Mode mag, bot sich das Kleidungsstück Jumpsuit an. Und der Zusatz Entertainment? „Klingt gut“, sagt Priemer, der ein bisschen den Eindruck erweckt, er sei der frühe Bill Gates: mit genialen Gedanken hinter unsortiertem Haar. In den USA finden die beiden eine Firma aus Singapur, die sie finanziell unterstützt – eine Art Verlag. Der hilft ihnen, ihr Projekt zu verfolgen, ohne schauen zu müssen, wo das Geld für das nächste Essen herkommt. 

 

Die Entwicklung

 

Priemer und Goffin haben ein kleines, gemeinsames Büro, aber in erster Linie arbeitet jeder für sich zu Hause – über Skype verständigen sie sich. Der ersten Euphorie folgen aber Phasen der Zweifel. „Wir haben nicht immer mit dem Erfolg gerechnet“, sagt Priemer. Zwischenzeitlich ziehen sich beide über mehrere Wochen zurück.

 

Ende 2015 kommen beide mit neuem Elan wieder zusammen, plötzlich nimmt das Projekt Konturen an, es flutscht. An einen normalen Arbeitstag mit acht Stunden ist jetzt nicht zu denken. Urlaub? Pustekuchen. Goffin und Priemer entwickeln und entwickeln – bis Anfang 2017. Da geht das Spiel an den Start. Es heißt: „She Remembered Caterpillars“. Schon bald werden Priemer und Goffin für Preise nominiert – sie gewinnen den Deutschen Computerspielepreis. Priemer spricht von einem Meilenstein, Goffin von einem Höhepunkt nach der Veröffentlichung.

 

Priemer und Goffin wollen nun weiter zusammenarbeiten. Das Preisgeld ist gebunden an die Entwicklung weiterer Spiele. „Das ist für uns ein großer Segen“, sagt Goffin, denn: Mit dem Verkauf ihres Spiels können sie kaum leben. Bisher läuft es sich nicht wirklich gut: 1200 Mal bei einem Preis von zwölf Euro. Der Gewinn macht beide nun aber ein Stück unabhängiger. Goffin sagt: „Am Ende des Tages geht es darum, meine Familie zu ernähren.“ Im Sommer wird er zum zweiten Mal Vater.

 

Spiele-Kritik

 

Das Ziel von „She Remembered Caterpillars“ scheint einfach zu sein: Der Spieler muss mit Hilfe der Maus knuffige Spielfiguren in einer zunächst sumpfartigen Umgebung auf weiße Blüten bugsieren. Aber Vorsicht: Die Wege werden von raupenartigen Wesen versperrt, an denen man nur mit der richtigen Spielfigur und Strategie vorbeikommt.

 

Ein farbenfrohes Puzzlespiel wie viele, könnte man meinen. Wenn da nicht die mysteriösen Text wären, die zu Beginn jedes Levels erscheinen. Sie erzählen von der Mutter der Zersetzung, einem Hund mit neun Namen und der Stille. Genetisch veränderte „Micro-Mykroparasiten“ spielen genauso eine Rolle, wie der Tod. Man ahnt: Unter der bunten Oberfläche liegt eine komplexe und dramatische Geschichte vergraben, die den Spieler immer wieder antreibt, weiterzuspielen. Da „She Remembered Caterpillars“ die ein oder andere Kopfnuss und eine düstere Thematik zu bieten hat, sollten jüngere Kinder zusammen mit ihren Eltern die liebevoll gestaltete Spielwelt erkunden.

 

HNA, 05.05.2017, von Melinda Birmes, Florian Hagemann