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100 Jahre Viessmann-Werke: Es begann mit einer Schlosserei
 

Heute ist das familiengeführte Heiztechnikunternehmen ein weltweit agierender Konzern

Die Keimzelle der Viessmann Gruppe ist in Hof an der Saale – im bayerischen Nordosten. Johann Viessmann, 1879 in Kulmbach geboren, arbeitet dort als Schlosser. 1917 macht er sich selbstständig – repariert Textilmaschinen und auch Autos.


1928 beginnt er mit dem Heizkesselbau, schweißt dafür Stahlrohre zusammen, weil sie besonders druckstabil sind. Für die Kessel erwirbt er Schutzrechte, Gebrauchsmuster und Patente. Als er einen Vertrag von einem hessischen Unternehmen bekommt, verlässt er 1937 Hof und baut in Allendorf/Eder im Kreis Waldeck-Frankenberg das Stammwerk auf und startet mit 30 Mitarbeitern.


Glücksfall für Viessmann

 

Allendorf ist ein Glücksfall für Viessmann. Die Bevölkerung setzt sich damals im wesentlichen aus Landwirten und Pendlern zusammen. Nach dem Zweiten Weltkrieg strömen Facharbeiter aus Schlesien und dem Sudetenland in die Region, aus dem Ruhrgebiet kommen die Ausgebombten. Ohne sie hätte der Aufstieg von Viessmann nicht so leicht gelingen können.


In Hof wäre nach dem Krieg nicht annähernd so reibungslos möglich gewesen. Bis in die 1980er-Jahre ist die Hofer Region geprägt von der Textilindustrie, der Glas-, Porzellan und Keramikindustrie.


80 Jahre sind seitdem vergangen. Weltweit beschäftigt die Gruppe 12 000 Mitarbeiter, davon 4400 in Allendorf/ Eder im Kreis Waldeck-Frankenberg, in Hof sind es rund 800, am Standort in Berlin 360.
Heute ist die Viessmann- Gruppe ein weltweit agierender Konzern, der in Europa, aber auch in Afrika, Asien, dem Mittleren Osten sowie in Nord- und Lateinamerika vertreten ist. Stammsitz der Viessmann-Werke GmbH & Co. KG ist Allendorf/Eder. Zur Gruppe gehören 23  Produktionsgesellschaften in zwölf Ländern, sowie Vertriebsgesellschaften und Vertretungen in 74 Ländern und weltweit 120 Verkaufsniederlassungen. Im Geschäftsjahr 2016 liegt der Umsatz bei 2,25 Milliarden Euro, der Auslandsanteil bei 54 Prozent. Angaben zum Gewinn macht das Unternehmen traditionell nicht. Die Investitionen liegen bei 130 Millionen Euro.

 

Forschung in Allendorf

 

Das Geschäft der Gruppe ist in drei Sparten unterteilt – so genannte Divisionen. Bei den Heizsystemen, die in Allendorf angesiedelt sind, bietet Viessmann Lösungen für alle Energieträger und Anwendungen von 750 Watt bis 21,5 Megawatt. Die Heiztechnik ist das Herzstück des Unternehmens. Sie liefert 80 Prozent des Umsatzes. Die Sparte Industriesysteme (Berlin) beliefert Gewerbe und Industrie mit Energiesystemen zur Erzeugung von Wärme, Kälte und Dampf. In der Sparte Kühlsysteme (Hof) zählt Viessmann zu den führenden Herstellern von Kühlsystemen für Handel und Gewerbe. Über Wagniskapital (Venture Capital Fonds Vito) investiert Viessmann in junge Unternehmen. Dazugekommen ist der Bereich Digitalisierung. Das betrifft die interne Organisation des Unternehmens, aber auch neue Geschäftsfelder für Kunden.

Um mit der Entwicklung Schritt zu halten, hat Viessmann 50 Millionen Euro in ein Technikum investiert – mit Prototypenbau und etlichen Laboren. 100 Mitarbeiter arbeiten dort. Das Technikum ist das Bindeglied zwischen Forschung und Entwicklung, sowie Produkt- und Qualitätsmanagement in der Serienfertigung.

 

HNA, 27.05.2017, von Martina Hummel